Anathema gründen sich im Jahre 1990 unter dem Namen Pagan Angel und spielen von Beginn an klassischen Doom-Metal, angelehnt an Altmeister wie Venom. Im Winter des selben Jahres nehmen sie ihr erstes Demo auf. Es trägt den Namen “An Iliad Of Whoes”. Genaueres zu diesem Werk, wie auch zu den unten erwähnten, findet ihr unter der Rubrik Discografie.
Anlässlich der Veröffentlichung dieses Demos, im Januar 1991, entschließt man sich, den Namen Anathema anzunehmen.
In ihrer Heimatstadt Liverpool erspielt sich das Quintett eine beachtliche Fanbasis (u.a. tourt man mit Bolt Thrower und Paradise Lost), was Anathema dazu motiviert, noch im selben Jahr ihr zweites Demo zu veröffentlichen. Die Aufnahmen im Mai 1991 beinhalten Lieder wie They Die und Crestfallen, die auch auf späteren Werken zu finden sein werden. “All Faith Is Lost” wird im Juli 1991 den Fans präsentiert. Im Zuge der anhaltenden Popularität gelingt es den Liverpoolern, ihre erste 7″-Single herauszubringen. “They Die” wird von den Eidgenossen von Witchhunt Records vertrieben und sorgt dafür, Anathema auch auf dem alten Kontinent bekannter werden zu lassen.
Zu diesem Zeitpunkt beginnt die Zusammenarbeit mit den englischen Peaceville Records. Auf deren vierter Compilation “Volume 4″ ist dann auch “Lovelorn Rhapsody” aus dem Hause Anathema zu hören. Den Auftakt des Vier-Album-Vetrages mit Peaceville bildet die “Crestfallen EP”, die in Europa schon für beachtliche kommerzielle Erfolge sorgen soll. Die EP wird im Sommer 1992 in den Academy Studios in West Yorkshire aufgenommen und vom Altmeister Hammy und der Band produziert. Im Jahre 2001 wird Peaceville die EP gemeinsam mit Pentecost III neu veröffentlichen.
Im Februar 1993 läßt die Band dann endlich das lang ersehnte erste komplette Album auf die Menschheit los. Deutsche Metalmagazine wie das RockHard oder auch der Metal Hammer, der damals noch METAL Hammer heißt, zollen dem Album viel Respekt. Soweit ich mich erinnern kann, bekommt es vom Metal Hammer eine 5, vom RockHard eine 8, aber das ist ohne Gewähr. Das Album entsteht im übrigen wieder in Zusammenarbeit mit Hammy in dessen Academy Studio (Mitte 1992). Am Cover ist jemand beteiligt, der später noch eine wichtige Rolle in der Band spielen soll: Dave Pybus. Und auch hier gibt es einen Re-Release: 1998 als Paket mit Crestfallen und 2003 mit We Are The Bible.
Im selben Jahr erscheint ebenfalls die EP “We Are The Bible”. Die veröffentlichten Stücken stammen allesamt aus der Feder von Duncan Patterson, offenbar aus seiner “Wilden Phase”, denn als er sie verfasst hat, war er erst 14 Jahre alt.
Im Januar 1994 ist es dann endlich Zeit, Anathema auf deutschem Boden begrüßen zu können. Nachdem man England mit den großartigen My Dying Bride bearbeitet hat, kann man mit den Vorbands At The Gates und Cradle Of Filth im Gepäck nach Deutschland.
Nach Beendigung der Tour ist es wieder Zeit, die Fangemeinde mit Frischgepresstem zu erfreuen. Im selben Jahr wird noch die EP “Pentecost III” (Mai 1995) veröffentlicht. Pentecost steht im Deutschen für unser Pfingsten. Dies soll das letzte Werk sein, das unter der Mithilfe von Sänger Darren White entsteht.
Im Oktober 1996 steht nun das erste Werk im Regal, das Vincent Cavanagh einsingt. “The Silent Enigma” (1995) zementiert die Stellung Anathemas als eine der führenden Doombands Europas. Die Band fungiert diesmal als alleiniger Produzent als das Werk im Frühjahr 1995 in den MA Studios zu Liverpool eingeknüppelt wird. Noch darf man getrost von “eingeknüppelt” sprechen, denn die musikalische Richtung ist eindeutig metallisch, was man beispielhaft an den Hammerliedern “Restless Oblivion” und “A Dying Wish” ablesen kann. Das Album sollte eigentlich “Rise Pantheon Dreams” heissen und enthält in einer späteren Version (2003) noch eine orchestrale Version von “The Silent Enigma” und eine 96er Liveversion von “Sleepless”, diesmal von Vincent gesungen. 2008 erscheint eine remasterte “Anniversary Edition” mit den Bonusliedern von 2003 und einer Bonusdisk mit dem Konzert in Krakau (“A Vision Of A Dying Embrace”), sowie vier Promosongs (“Sweet Tears”, “Mine Is Yours”, “The Silent Enigma” und “Hope”).
Im Juni des darauffolgenden Jahres beginnen die Arbeiten zum Nachfolger “Eternity” (Oktober 1996). Das Album wird unter der Regie von Tony Platt in den The Windings Studios in Wales aufgenommen. Es soll noch im selben Jahr erscheinen, und das vorläufig letzte Album unter Mithilfe von Schlagzeuger John Douglas sein. “Eternity” wird von einer ausgedehnten Deutschland-Tour gefolgt.
1997 veröffentlichen Anathema das Video “A Vision Of A Dying Embrace” zu einem Konzert Polen (Krakau 1996).
Shaun Steels ersetzt John Douglas am Schlagzeug und spielt das nächste Album “Alternative 4″ (1998) ein. Im Frühjahr 1998 wird es von Kit Wooven wieder im The Windings Studio aufgenommen. Von Line-up Problemen und Auflösungsgerüchten begleitet, ist es das letzte von Basser Duncan Patterson sein soll. Duncan hatte in der Vergangenheit großen Anteil am Songwriting und kann seine Vorstellungen wohl nicht mehr mit denen seiner Kollegen vereinbaren. Gerade dieses Album ist ein “Alleingang” von Duncan Patterson. Während Danny frührere Veröffentlichungen fast durchgehend alleine schrieb und Darren ihm textlich zur Seite stand, bestreitet Duncan dieses epische Werk fast durchgehend allein. Viele Fans sind der Meinung, dass “Alternative 4″ der Meilenstein in der Bandgeschichte ist. Die internationale Presse ist ebenfalls begeistert von diesem Konzeptalbum, dass Duncan durch das Buch “Alternative 3″ inspiriert, vorangetrieben hat. 2002 erscheint ein Re-release von Peaceville mit vier Bonussongs. Darunter das erstaunliche Bad Religion Cover “Better Off Dead”.
Zum Leidwesen der Fans kommt es zu keiner Deutschland-Tour im Rahmen der “Alternative 4″ Promotion.
Tröstenderweise beginnen Anathema sehr bald mit der Arbeit zum nächsten Album. Im Frühjahr 1999 trifft man sich mit Kit Woolven in den Damage Inc. Studios in Ventimiglia, Italien. Woolven scheint einen guten Einfluss auf die Band zu haben, denn auch das neue Werk wird, trotz der zeitlichen Nähe zu “Alternative 4″ ein weiterer Klassiker. “Judgement”, das 1999 erscheint, bildet meiner Meinung nach einen Meilenstein der härten Rockmusik. Nie vorher ist es gelungen, ein derart emotionales Album auf die Beine zu stellen, das phasenweise Aggression und Wut pur ist, andererseits aber auch sehr feinfühlige Seiten hat, die einem sehr nahe gehen können. Stellvertretend sei hier das meiner Meinung nach beste Anathema-Stück überhaupt angemerkt: “One Last Goodbye”, das vom Tod der Mutter Cavanagh handelt. Ihr ist das Album gewidmet und man kann Trauer wohl nicht besser in Wort und Ton fassen, als Anathema in diesem Lied. Helen Cavanagh verstarb im Jahre 1998 (*1949).
Les Smith, der bereits in die Arbeiten zu “Eternity” involviert war, übernimmt ab diesem Zeitpunkt einen festen Platz hinter dem Keyboard.
Unter der Ägide von Nick Griffiths beginnen Mitte 2000 die Arbeiten an dem neuen Album. Der Titel lautet “A Fine Day To Exit” und wurde 2001 veröffentlicht. Im selben Jahr verließ der damalige Bassist Dave Pybus die Band. Er konnte sich wohl nicht so recht mit der Richtung abfinden, in die die neuen Stücke gingen. Für die anstehenden Liveaktivitäten übernimmt George Roberts den vakanten Posten.
Das Jahr 2002 stellt einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Liverpooler dar. Es ist Danny, der zu Beginn des Jahres die Band verlässt. Als er wenig später zurückkehrt bringt er auch den neuen Bassisten mit. Niemand geringeres als Jamie Cavanagh, der Ur-Bassist der Band, der in den Jahren zuvor regelmäßig als Roadie on tour war und als eineiiger Zwilling von Vincent teilweise für Verwirrung bei den Fans sorgte.
Das neue Werk sollte dann erst 2003 erscheinen. Der Titel “A Natural Disaster” wartet erneut mit einem herovrragenden Cover von Travis Smith auf. Danny schreibt das Album fast im Alleingang und man kann feststellen, dass nicht nur die Musik konsequent weiterentwickelt wird, sondern auch die Texte mittlerweile in eine gänzlich andere Richtung gehen. Weniger Despair & Emptyness als Hope & Love. Die Musik wandelt sich nicht in gleicher Art, sondern bleiben ruhig und melancholisch. Die Texte sind jedoch offenbar einer neuen Seele innerhalb der Band entsprungen.
Johns Schwester wird zum wichtigen Bestandteil der Musik und begleitet die Band auf Tourneen.
Dadurch, dass Sony sich MusicForNations einverleibt hat, werden alle Bands eingehend ob ihrem kommerziellen Nutzwert überprüft. Anathema fallen offenbar durch dieses Roster und erhalten keinen neuen Vertrag. Die Zusammenarbeit endet mit der zweiten Anathema-DVD “Where You There?” (2004).
Seitdem ist Anathema beständig unterwegs (Europa, Tunesien, Süd- und Mittelamerika) gewesen und hat bei Les an den Songs für das neue Album gearbeitet. Mit dem Song “Everything” beginnt für Anathema das Web2.0-Zeitalter. Fans können den Song gratis herunterladen und per PayPal einen Betrag nach Wunsch überweisen oder ganz auf eine Bezahlung verzichten. Laut Band ist dabei ein ordentliches Sümmchen zusammengekommen, mit dem man sich equipmenttechnisch auf die Aufnahmen zum neuen Album vorbereiten wollte.
Als Lebenszeichen erscheint 2008 das Akustik-Album “Hindsight” welches akustische und halbakustische Versionen einiger alter und eines neuen Songs bieten.
Das neue Album “Horizons” ist für Herbst 2009 geplant, ebenso wie eine ausgedehnte Headliner-Tour durch Europa.
Das Album wird von Porcupine Trees Steve Wilson abgemischt und soll als Bewerbungsschreiben für das neue Label gelten. Angeblich besteht bereits Interesse, jedoch nicht zu den gewünschten Konditionen. Mit dieser Art des Marketings will sich die Band in eine bessere Position bringen, um seinen künstlerischen Anspruch, der der Band stets sehr wichtig war und ist, durchzusetzen.
Fortsetzung folgt…